Durchquert von der roten Linie, der Linie der Schützengräben und erbitterten Kämpfe, vereint das Departement Nord alle möglichen Erfahrungen des Konflikts: das „freie” Gebiet, das besetzte Gebiet und die Gegend mit den Schützengräben.

Die Erinnerung an den Konflikt ist oft selektiv und richtet sich eher auf das Schicksal der Soldaten oder der Zivilbevölkerung hinter der Front. Erst seit Kurzem studieren Historiker das Schicksal der besetzten Gebiete. Dabei ist diese Erinnerung in den besetzten Departements wie Nord lebendig, scharf und schmerzlich. Die von den Kämpfen hinterlassenen Narben, die Monumente… halten die Erinnerung an das Trauma wach.

Nun verlangen das europäische Aufbauwerk und die Friedenspflicht jedoch, dass die Bedingungen des Konfliktes neu bewertet werden. Ein Jahrhundert nach den Geschehnissen bleiben ganze Teile einer solchen Geschichte unerforscht. Den Feind nicht weiter dämonisieren, ohne das Abdriften einer Besatzungsmacht auszulöschen oder zu entschuldigen; die echten Beziehungen zwischen der Bevölkerung und dem Besatzer abschätzen, ohne den heldenhaften Widerstand mancher herunterzuspielen. So lauten die Herausforderungen für eine Vergangenheitsbewältigung des Ersten Weltkriegs im Departement Nord. Während die Haltung der Franzosen im Zweiten Weltkrieg in zahlreichen Studien behandelt wurde, ist noch nichts dergleichen für den Ersten Weltkrieg geschehen. Dies wird bestimmt viel Zeit brauchen.

Der Öffentlichkeit die Dokumente der Archive des Departements Nord zur Verfügung zu stellen ist ein erster Schritt in diese Richtung. (Gedankt sei den europäischen Instanzen, die mit Hilfe des Generalrats des Departements Nord und der Mission Centenaire die Onlinestellung des Multimediaprojektes der Archive des Departements Nord möglich gemacht haben.)