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Die deutschen Grausamkeiten
Der Schlieffenplan für den Einmarsch in Frankreich sollte einen schnellen Krieg bezwecken. Um nicht auf zwei Fronten, und zwar im Osten und im Westen, kämpfen zu müssen, musste der Krieg im Westen gewonnen werden, noch bevor die russische Armee richtig zum Einsatz käme. Eine Notwendigkeit, für die man die belgische Neutralität verletzen musste, was den Kriegseintritt des Vereinigten Königreichs zur Folge hatte.
Das durch imposante militärische Anlagen stark verteidigte Belgien hat der Invasion tapfer standgehalten. Dadurch wurde der deutsche Angriffsplan ernstlich verzögert, was einerseits den militärischen Druck auf die eingesetzten Truppen verstärkte und andererseits die Zivilbevölkerung in unkontrollierte Angst versetzte.
Die deutschen Truppen, schlecht vorbereitet, schwer erfüllbaren Ansprüchen unterlegen und überschüttet mit Gerüchten von Hinterhalten von Zivilisten hinter der Front, begehen Grausamkeiten in Belgien, dann in Frankreich, wie in Lüttich, Dinant oder Löwen. Das Thema Grausamkeiten wird sofort zur Polemik und ruft während des Krieges selbst und in der Zwischenkriegszeit Ermittlungen und Gegenermittlungen der kriegführenden Armeen hervor. Der Krieg muss gerechtfertigt werden. So ergreifen die deutschen Universitätseliten in dem sogenannten „Manifest der 93“ für den Krieg Partei.
Die deutschen Grausamkeiten, die vor allem in den ersten Kriegswochen begangen werden, schüren anschließend unbegründete Gerüchte: Verstümmelung der Opfer; vergiftete Bonbons, die an Kinder verteilt oder von Fliegern abgeworfen werden… Sie tragen zur Radikalisierung des Krieges und zur Dämonisierung des Feindes bei.
Die alliierte Propaganda reißt die deutschen Grausamkeiten, ob echt oder ausgedacht, an sich, um daraus eine Kriegskultur zu spinnen.